Von Vollmarshausen über Spangenberg nach Rotenburg und Bad Hersfeld:

Loslassen – das war das Thema der diesjährigen Vollmarshäuser Pilgertour.

Deshalb ließen die 17 Pilger bei der Andacht zum Start in der Vollmarshäuser Kirche in Form  von Steinen  das zurück, was ihnen das Leben schwermacht, um sich so mit leichterem Gepäck  auf den Weg zu machen durch eine wunderschöne frühlingsgrüne Natur.

Vollmarshausen – Spangenberg war die erste Etappe. Dass man diesen Weg tatsächlich auch an einem Tag zu Fuß bewältigen kann, konnten sich viele, als wir aufbrachen nicht vorstellen. Abends wussten es dann alle besser: geschafft waren wir, aber wir hatten es auch geschafft – das war ein schönes Gefühl. 

Hinter uns lagen 29 Kilometer bergauf und bergab, zum Teil schweigend zurück gelegt und in gehörigem Abstand zueinander, so dass jede und jeder für sich den Impulsen  nachsinnen konnte, die wir zuvor von unserer Pfarrerin mit auf den Weg bekommen hatten. An diesem ersten Tag schauten wir zurück in unsere Kindheit und Jugend und gingen dabei der Frage nach, wie wir erste Erfahrungen des Loslassen-Müssens (in der Kindheit, Umzüge von einem Ort zum andern zum Beispiel) und des Loslassen-Wollens in der Jugend erlebt haben. Zu den Impulsen gehörte immer auch eine biblische Geschichte. Am Ende der schweigenden Wegstrecken haben wir uns dann zum Austausch im Gespräch in Kleingruppen gesammelt. Es war spannend von den Erfahrungen der andern zu hören und von dem zu erzählen, was einem selbst so aufgegangen war beim Schweigen. Schön, wenn wir dann manchmal entdecken konnten: was wir selbst erfahren hatten, hatten andere teilweise ganz ähnlich erlebt. Das gab Gesprächsstoff und Anlass zum Nachfragen in weitergehenden Gesprächen.

So waren wir manchmal ganz schön beschäftigt mit unseren Gedanken und Erfahrungen, manchmal forderte aber der Weg auch ganz unsere Aufmerksamkeit, und bewusst oder unbewusst war jeder Moment dieser Wanderung ein Auftanken in der freien Natur: die frische Waldluft, das Auf und Ab, das vielfältige Grün, das uns umgab und auch die Vogelstimmen –all das wohltuende Eindrücke, die wir Schritt für Schritt mitnahmen.

Abends auf dem Himmelsfels,  einem ganz besonderen Ort, bezogen wir  wohlig erschöpft  unsere Bauwagen und legten uns nach einem Abendabschluss und einem urigen Abendbrot in unsere  Betten, um für den nächsten Tag neue Kraft zu schöpfen.

Beate und Wolfram Dawin

 

Die Sonne strahlte bereits aus fast wolkenlosem Himmel, als wir uns nach mehr oder weniger guter Nacht im Bauwagen auf dem “ Himmelsfels “ zur Andacht am noch kühlen Morgen trafen. Nach besonderem Frühstück eines besonderen Kochs machten wir uns auf von Spangenberg nach Rotenburg, was unser heutiges Ziel war. Alsbald erhielten wir den 1. Tagesimpuls, bei dem es darum ging, Lebenssituationen in Erinnerung zu bringen, wo man nur schwer loslassen kann bzw. konnte. Schweigend gehend ergründete dies jeder für sich. Der Austausch in den Gruppen erfolgte teilweise sehr emotional. Auch auf dem weiteren Weg tauschten wir uns dazu aus oder bewunderten ganz einfach die herrliche Natur, das frische Grün der Buchen, kleine Veilchen und Buschwindröschen am Wegesrand und erfreuten uns am Gesang der Vögel, lauschten der Stille und hatten Freude an Gottes Schöpfung an diesem wunderschönen Tag. Nach der Mittagspause an einer Weggabelung, wo wir auf Baumstämmen sitzend die Sonne genossen und uns stärkten erhielten wir bald den 2. Impuls an diesem Tag, wo wir uns Gedanken dazu machen sollten, wo uns das “ Loslassen “ eher leicht gefallen ist. Auch dazu erfolgten gute Gespräche in den Gruppen und es ging weiter durch den Wald, denn heute kamen wir den ganzen Tag durch keine menschliche Siedlung. Talabwärts immer am Kottenbach entlang erreichten wir schließlich am frühen Abend in Rotenburg das “ Haus der Begegnung “, wo uns ein gutes Abendessen erwartete. In Ruhe erfolgte danach die Abendandacht. Und bevor wir uns dann zum Schlafen niederlegten hatten wir noch viel Spaß in unserer wunderbar harmonischen Pilgergruppe.

Rita Gebhardt-Gauck

 

 

 

Am dritten Tag unserer Pilgertour haben wir uns um 7.45 Uhr auf der Wiese neben unserer Pension bei kräftigem Vogelgezwitscher zur allmorgendlichen Andacht getroffen. … Jetzt freuten wir uns auf das gute Frühstück. Pünktlich um 8.45 Uhr ging es gestärkt und fröhlich durch Rotenburg in die Feld- und Waldgemarkung. Um 9.50 Uhr bekamen wir bei Rotenburger Kirchenglockengeläut unseren heutigen ersten Impuls. Da `Loslassen` unser Thema war, sollten wir uns konkret überlegen, worauf wir in der kommenden Woche verzichten wollten, z.B. ständige Bevormundung oder Fernsehen. Zur Mittagszeit trafen wir in Tann ein, wo wir in einer kleinen Hütte inmitten eines Gartens Brot, Wurst, Käse und Eier verzehrten. Nach einer Stunde zogen wir gutgelaunt Bad Hersfeld entgegen. Ein erneuter Impuls stellte die Fragen an uns: `Wofür danke ich?`, `Was bewegt mich?`, und `Wofür bitte ich?`. Kurz vor unserem Ziel erreichten uns die ersten Tropfen, sodass unsere Regencapes doch noch zum Einsatz kamen.

 

Um 16.00 Uhr saßen wir, wie geplant, in der Bad Hersfelder Kirche zur Abschlussandacht. Wir durften zum Gebet einen Gedanken aus unserem letzten Impuls beitragen. Zum Abschluss schenkte Frau Grenzebach jedem von uns einen 3cm großen Glastropfen. Darauf stand: Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens (Psalm 36, Vers 10). Zufrieden, müde, etwas erschöpft und dankbar über diese wunderbaren Tage kehrten wir in einer Pizzeria ein. Leckeres Essen, ein Bierchen oder Glas Wein brachten uns die nötige Energie für die geruhsame Heimfahrt mit dem Cantus um 19.42 Uhr zurück.

Mit biblischen Impulsen regte uns Frau Grenzebach in diesen Tagen zum Nachdenken über uns an. Die nötige Zeit hierfür war wichtig für jeden von uns.

 

Horst Peters arbeitete für uns die 75 km lange Pilgerstrecke  - von der Kirche Vollmarshausen über den x3 Pfad bis Bad Hersfeld – aus. Wir gingen durch eine wunderschöne Landschaft bergauf und bergab. Horst Bubenik sorgte pünktlich für unser stärkendes Mittagessen. Verlässlich erhielten wir jeden Abend unser Gepäck. Wir danken allen Dreien ganz herzlich für die schöne Zeit. Ein jeder von uns nimmt bestimmt den einen oder anderen wichtigen Gedanken mit in den Alltag.

Wir freuen uns schon auf 2016 – Wo wird es dann wohl hingehen?

 

Mechthild Gundelach