Tag 1


Bepackt mit Tagesrucksack, Verpflegung und Reisetasche fand sich die Pilgergruppe am Freitagmorgen um 7.30 Uhr wandertüchtig bekleidet vor der Arche ein.


Mit einer Andacht in der Vollmarshäuser Kirche stimmten wir uns auf das Thema „Wunder“ und den vor uns liegenden Weg ein. Anschließend ging es mit dem Bus zum Kassler Hauptbahnhof. Aufgrund einer Baustelle musste ein kleiner Sprint eingelegt werden, um den Zug nach Bad Hersfeld noch zu erreichen.


Vom Bahnhof durch das Getümmel der Innenstadt, an der Stiftsruine vorbei führte uns Horst Peters auf dem Lutherweg ins Grüne. Bei strahlend blauen Himmel starteten wir in die erste Etappe. Es gab einen ersten Impuls zur Heilung am Teich Bethesda. (Nach Gesang und schweigenden Gehen wurde sich in Kleingruppen ausgetauscht. Anschließend hatte jede*r noch die Möglichkeit einen Gedanken mit der gesamten Gruppe zu teilen.)

In Asbach erwartete uns Horst Bubenick im Schatten des Kirchturms mit Verpflegung und kühlen Getränken. Wir ließen uns die mitgebrachten Leckereien schmecken, rasteten und die ersten Blasenpflaster kamen zum Einsatz.


Gestärkt ging es in die zweite Etappe. Mit dem zweiten Teil der Wunderheilung am See Bethesda ging es schweigend ordentlich bergauf. Die herrliche Aussicht auf grüne Täler, leuchten gelbe Rapsfelder und bewaldete Hügel entschädigte den schweißtreibenden Aufstieg allemal und wir kamen wieder in Kleingruppen zusammen, um uns auszutauschen.


 

Die Temperaturen stiegen und die Hitze staute sich auf den schattenlosen Asphaltwegen, sodass der Weg nach Niederjossa sehr anstrengend war. Umso mehr schätzen wir die kühle Kirche in Niederjossa, wo wir gemeinsam Abendandacht feierten.


 Erschöpft, verschwitzt und teils mit Sonnenbrand kamen wir in unserem Nachtquartier, dem Landgasthof in Oberjossa an. Nach einer erfrischenden Dusche, ließen wir uns Radler und Jägerschnitzel schmecken und saßen noch nett beisammen.

Anna Debes

 

 

 

 

Tag 2


„Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte Dich nicht!“

Dieses Lied begleitete uns auf den drei Tagen der Pilgerwanderung von Bad Hersfeld nach Eifa (Alsfeld).


Aber an diesem Tag konnten wir die wechselnden Pfade, den Schatten und das Licht sprichwörtlich am eigenen Leibe spüren und erfahren.

Mit einer Morgenandacht starteten wir in den Tag. Die größten Blessuren des Vortages waren weitgehend verschwunden, sodass alle den neuen Herausforderungen freudig  entgegen sahen. Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir kurz vor 09:00 Uhr in Oberjossa zu einem Rundweg, der uns auch in schon in den Vogelsbergkreis führen sollte. Die Sonne wärmte trotz des frühen Aufbruchs schon sehr, aber nach einem längeren Anstieg ohne Schatten, nahm uns der kühle schattige Wald auf und das Gehen schien gleich leichter zu fallen. Über einen längeren Zeitraum  führte uns unser Weg über feste geschotterte Waldwege.

 

Der Mittelpunkt unserer heutigen Impulse war “Die Speisung der Fünftausend“.

Beim ersten Impuls stand die Sorge und Angst um die eigene Versorgung und die anderer im Vordergrund.

Der Weg war nun geprägt durch einen abwechslungsreichen Untergrund, mitten durch den Wald, der Weg kaum zu erkennen. Neben dem Nachdenken über den Impuls, eine Herausforderung für die Sinne.

Unsere heutige Mittagsrast machten wir in Wallersdorf auf einem schattigen Spielplatz, sodass wir gestärkt und ausgeruht  unsere Wanderung fortsetzen konnten.

Die Burg Herzberg war nun unser Ziel, ein stetiger Anstieg für die nächsten zwei Stunden, aber der Wald spendete uns wieder Schatten und etwas kühlere Luft.

An der Burg angekommen, machten wir uns mit dem zweiten Impuls, dem Wort Überfluss auf den Weg.

Was braucht es um dich zu sättigen?  Wie gehst du mit Überfluss um? Fragen, die uns auf einem stetig bergab führenden Weg zurück nach Oberjossa beschäftigten.

Der letzte Teil des Weges führte uns dann durch die Aue der Jossa, der Sonne gnadenlos ausgeliefert. Erinnerungen an den Vortag kamen auf.

Die Abschlussandacht machten wir dann spontan im Schatten einiger Bäume, unser Ziel schon in Sichtweite.

Der Tag klang bei Abendessen im Freien und fröhlicher Runde aus.

Horst Peterß

 

 


 


 

 

Tag 3

 

Es ist sieben Uhr morgens, die Sonne scheint, in der Nähe läuten die Glocken und für mich als Pilger-Neuling vorher unvorstellbar: Es geht mir gut und ich freue mich auf den Tag und den zweifellos anstrengenden Weg der heute vor uns liegt.
In der Andacht auf der nahen Wiese, nehmen wir uns Zeit für einen Blick auf uns selbst, auf unsere Nächsten und sammeln Kraft für den Tag.
Nach dem Frühstück geht es gleich los! 20 Kilometer liegen vor uns und schnell merken wir, dass auch die Sonne ihre Schattenseiten hat, genau da, wo kein Schatten ist. Aber angeregte Gespräche lassen die Zeit bis Breitenbach schnell vergehen und dankbar verschwinden wir im Wald. Es wird merklich kühler, dafür geht es jetzt bergauf und weiter bergauf, jeder geht im eigenen Tempo, wir schließen auf, machen Pause, gehen weiter, sind fast oben, noch bis zur Kurve, dann… oh nein! Geht es weiter bergauf! Doch die Gemeinschaft macht es möglich, wir haben es geschafft, alle!
Zu verdanken haben wir das vor allem Horst Peters, der die Tour ausgearbeitet hat und mit Erfahrung und Gelassenheit ein Tempo vorgab, dass uns zügig vorangebrachte aber nie über unsere Kräfte ging.
An Burg Herzberg sind wir vorbei und bekommen einen sehr anspruchsvollen Text, der jedem einzelnen auf dem Weg bergab reichlich zu denken gibt. Die Zeit der Stille tut gut, lässt mich die Umgebung sehen und hören und meine Gedanken um Jesus, Petrus und mich selbst kreisen. Bei der Rast auf moosigem Waldboden kommen die Gedanken und Fragen der Anderen noch dazu. Antworten haben wir nicht gefunden, aber der Gedankenaustausch hat gut getan und machte uns neugierig auf den zweiten Teil des Bibelverses.
Wandern und denken macht müde und hungrig, aber Bieben war nicht mehr weit und in Bieben erwartete uns Horst …… Darauf konnten wir uns verlassen. Denn Horst hat uns immer gut versorgt. Nicht nur jeden Mittag mit Essen und vor allem Wasser, die Kirchen standen offen, wenn wir ankamen, unser Gepäck war da, wo wir es brauchten und er selbst mit seinem Transporter für den Notfall immer in unserer Nähe.
Das Aufraffen nach der Mittagspause war mühsam, aber der abwechslungsreiche Weg, durch Wiesen und Felder vorbei an Lingelbach und quer durch den Wald nach Eifa war die Anstrengung wert. Mit dem Bus ging es zurück nach Bad Hersfeld zu unserer Abschlussandacht in der ev. Stadtkirche mit dem zweiten Teil unseres Impulses: Mt 14,29-33. Wir hätten gerne noch einen Tag angehängt, um auch über diese Worte zu denken und zu reden. Doch wir müssen gar nicht über´s Wasser laufen können, wir haben erfahren, dass unser Vertrauen und unser Glaube uns vor Schäden durch versteckte Wurzeln und fliegende Gepäckstücke schützen kann und uns wenn auch auf Umwegen, sicher ans Ziel bringt.
Vielen Dank Anna Debes und Wolfram Dawin, für die Andachten, Impulse, Lieder und Gespräche, die das Wesentliche einer Pilgerreise ausmachen, die noch lange in uns nachwirken und uns viel Kraft für den Alltag geben werden.
Vielen Dank Horst und Horst für die gute Organisation, so reibungslos, dass wir von Beginn an unbeschwert und sorglos einen uns unbekannten Weg gehen konnten.
Vielen Dank an die ganze Gruppe, die mich Pilger-Neuling mit anderer Konfession vorbehaltlos aufgenommen hat, in der ich mich nie fremd gefühlt habe, mit jedem angeregte Gespräche führen konnte und abends in großer Runde noch viel Spaß hatte und:
 
70 Kilometer in 3 Tagen, dass hätte ich alleine nie geschafft!  


Petra Korff